Kurzbericht - Mein neues Imkern in Flachzargen-Magazinen

Vor 10 Jahren habe ich das Imkern als neues Hobby begonnen, Kurse in Landsberg und Lochhausen besucht und seither viele schöne Erfahrungen in der Wunderwelt der Bienen gewonnen. Damals, im Jahr 2000, entschied ich mich für Zander-Vollzargen und ZM-Rähmchen mit Hoffmann-Seitenteilen. Dies war nach all den vielen Ratschlägen nicht so selbstverständlich, weil im Verein vielfach Magazine mit Deutsch-Normal-Maß, aber auch Trogbeuten gebräuchlich waren. Dadant-Beuten wurden damals auch in den Landsberg- Kursen noch nicht empfohlen.

Das Heben der meist bis zu 20 bzw. 28 kg schweren Brut- bzw. Honigzargen – selbst von nur jährlich maximal zehn Wirtschaftsvölkern - wurde mir nicht geradestämmigem Menschen von Jahr zu Jahr immer beschwerlicher. So streckte ich ab 2007 meine Fühler nach einer Alternative aus, die in etwa der bisherigen Magazin-Betriebsweise entsprechen und die die Dadant-Nachteile bzw. deren Einschränkungen weitgehend vermeiden sollte.

Zunächst fand ich einiges in der Literatur, z. B.: G. Schuster: „Imkern im Flachzargenmagazin“, Ehrenwirth 1989, und vor allem R. Moosbeckhofer/ J. Bretschko: „Naturgemäße Bienenzucht“, Leopold Stocker Verlag 1996.

Die Diskussionen mit dem Vorarlberger Landeszuchtwart, Imkerlehrer G. Mohr, der 2008 in der österreichischen Bienenzeitschrift „Bienen aktuell“ als Monatsberichterstatter über seine Flachzargen-Betriebsweise berichtete, sowie mit R. Schindele, dem SIG-Verkaufsleiter in Zorneding, brachten mir die endgültige Gewissheit und die Entscheidung. Diese fachkundigen Nebenerwerbsimker führen ihre zig Völker hochzufrieden und effizient in Flachzargen.

Für meine geplante Umstellung des Beutenmaßes sollten folgende Randbedingungen erfüllt sein:

  • Geringeres Gewicht der vollen Brutraum- und Honigzargen.
  • Nutzung und Umarbeitung des vorhandenen Beuten- und Rähmchenmaterials (durch Absägen) sowie der Ruck-Zuck-Kästchen für die Ablegerbildung.
  • Gleiches Maß für Brut- und Honigraum, dadurch weiterhin Gewährleistung der Schichtbeweglichkeit.
  • Möglichkeit der Trennung und Beweglichkeit der Brutwaben.
  • Bauerneuerung im Honigraum und Brutraum.
  • Kippkontrollen insbes. der Brutzargen.
  • Ablegerbildung und Königinzucht im Standmaß.
  • Möglichkeit zur Zwischenableger-Bildung zur wirkungsvollen und letztlich  sicheren Schwarmverhinderung.

Obwohl neuerdings in den Landsberg-Anfängerkursen Dadant allgemein empfohlen wird, ging ich 2008/09 unter Berücksichtigung der o. g. Randbedingungen über eine Umstellungsphase im „Mischbetrieb“ schrittweise den entgegengesetzten Weg zur kompletten Flachzargen (Flz) -Betriebsweise.

Das dreigliedrige Brutnest (30 Rähmchen in drei Brutraumzargen) stellt mehr als bei Dadant eine naturgemäße Hochwabenform dar, die bei 30 Zander-Flz-Rähmchen eine Wabenfläche von insgesamt ca. 3,3 m2 (=30* 0,40*0,139*2) aufweist. Die Brutwabenfläche liegt sogar bei einem zweiräumigen Flachzargen-Brutraum noch bei etwa 2,2 m2. Bei 12 Dadant-Rähmchen errechnet sich die gesamte Brutwabenfläche auf ca. 2,7 m2.

Wenn das Brutraumnest im optimalen Fall bis auf 50.000 Brutzellen anwächst und darüber einen entsprechenden Pollenkranz und Leerzellen als Pufferzone aufweist, ist die in drei Zargen angebotene Flachzargen-Brutraumfläche ideal und ausreichend. (Deshalb setze ich insbesondere in der Frühtrachtphase kein Absperrgitter ein, um die Aufwärtsentwicklung eines starken Volkes in der Massentrachtphase nicht zu stören).

Die 2 cm breiten und 1 cm starken Querträger der Flz-Rähmchen werden in der Regel teilweise überbaut und bilden kein Hindernis bzgl. der Brutnestausdehnung. Vielmehr kann bei Bedarf das Brutnest durch geeigneten Zargentausch um die Mittelzarge „rotiert“ werden, so dass die Königin mehrmals nach oben vorstoßen kann. Dies stellt auch eine schwarm-vorbeugende Maßnahme dar.

Bisherige Erfahrungen

Nach der etwa ein halbes Jahr dauernden Umstellung über den Mischbetrieb (Vollzargen + Flachzargen) imkere ich seit 2009 im reinen Flachzargenmagazin-Betrieb und stelle Folgendes fest:

  • Im Frühjahr ist zur kräftigen Volksentwicklung ein „sanfteres“, der Witterung angepasstes Erweitern, folglich auch eine schonende Honigraum-Freigabe möglich.
  • Die Honigräume werden schneller eingetragen und verdeckelt (heuer in der Frühtracht bis zu drei Honigräume). Der grundsätzliche Verzicht auf ein Absperrgitter wirkt sich dabei ebenso positiv aus.
  • Dadurch werden in der Regel bis zu 25 bis 30 Mittelwände pro Volk und Saison in die Honigräume und seitlich in die Brutzargen gegeben; die Mittelwände werden ohne weiteres zügig ausgebaut. Somit wird nebenbei der evtl. vorhandene Schwarmtrieb gedämpft, vor allem aber eine systematische, gesundheitsfördernde Bauerneuerung erreicht.
  • Die Kippkontrolle wird zur Schwarmkontrolle effektiv eingesetzt, zumal die Rähmchen- Unterträger schmal sind und so einen guten „Einblick“ in Wabenunterseite ermöglichen.
  • Die Schichtenbeweglichkeit minimiert das Hantieren mit Einzelwaben in den einzelnen Zargen. 
  • Die Jungvolkbildung führe ich - wie bisher auch - über Brutableger mit Edelzuchtstoff und/oder mit Kunstschwärmen mit dem Zusetzen von Belegstellen-begatteten Königinnen unter Verwendung von Ruck-Zuck-Kästchen (nach Pfefferle) im Standmaß durch. Weiselzellen mit dem Edelstoff werden dabei nie gekäfigt, sondern immer gleich in die Brutableger eingesetzt.
  • Die Baurahmen werden wie bisher in der oberen, ggf. auch in der mittleren Brutzarge in Position 2 und 9 von Ende März bis Ende Juni wechselweise ausgeschnitten. 
  • Die Varroabehandlungen habe ich bisher auch im Flachzargenbetrieb erfolgreich mit 60 % Ameisensäure (ab Mitte Juli: nach Befund etwa 4mal Schwammtuch von unten) und einmaliger Oxalsäure-Beträufelung (im Dezember) durchgeführt, so dass ich wiederum keine Winterverluste erlebte. Die Schwammtuchbehandlung führe ich deshalb von unten durch, da ich nach dem Abräumen die meist brutlose untere Zarge mit dunkleren Waben entnehme. Danach liegt der Brutschwerpunkt direkt über dem Schwammtuch, so dass auch eine wirksame AS-Behandlung (bei Außentemperaturen über 20°C) sicher gestellt werden kann. 
  • An Winterfutter wird bei dreizargigen Völkern so viel eingefüttert, dass Anfang September im Volk etwa 20 bis 22 kg zur Verfügung stehen, so dass das Volk bis zur Kirschblüte ausreichend versorgt ist. (Die Futtermenge wird während der Einfütterungsphase, aber auch nachher leicht mittels einer Federzugwaage bestimmt).
  • Problemlose Überwinterung der Völker in drei Zargen (nur ein etwas später gebildeter Ableger wird in 2 Räumen eingewintert). 

Der eine Nachteil beim Flachzargenbetrieb soll nicht unerwähnt bleiben:

  • Gegenüber der herkömmlichen Betriebsweise werden ein etwa Drittel mehr Zargen und Rähmchen pro Volk benötigt, so dass bei den Ernten auch entsprechend mehr Honigwaben geschleudert werden müssen. (Die Flachzargen-Betriebsweise stellt keine Standardmethode dar, so dass Jungimker wahrscheinlich keine EU- Investitionsförderung erhalten werden).

Auch wenn ich vermutlich das einzige Vereinsmitglied bei IV Gräfelfing e.V., somit ein „Exot“ sein mag, der mit dieser einfachen, flexiblen Flachzargen-Betriebsweise imkert, stelle ich fest, dass bisher in jeder Hinsicht meine Erwartungen erfüllt, ja übertroffen wurden bzgl.

  •  Aufwand für die Umstellung,
  •  Volksentwicklung,
  •  Wabenerneuerung,
  •  Schwarmkontrolle und -verhinderung,
  •  Jungvolkbildung,
  •  Arbeitsbelastung und -aufwand,
  •  Honigertrag und -entnahme.

Mit diesen außerordentlich erfreulichen Erfahrungen hoffe ich, dass ich mit dieser Betriebsweise noch weit in mein gerade begonnenes achtes Lebensjahrzehnt imkern werde können.

Dr.-Ing. Hartwin Zechmeister

Südendstr. 31

82110 Germering

 

© ZECHMEISTER: Mein neues Imkern in Flachzargen.doc

 

 

 

 

Monatsversammlung am Freitag, den 27. April 2012

Herr Dr. Hartwin Zechmeister referiert zum Thema " Ein Rückblick auf 11 Jahre Imkern".

Kurs-Übersicht der Imkerschule des Bezirks Oberbayern für 2012

Die Kursübersicht 2012 der Imkerschule des Bezirks Oberbayern finden Sie hier.

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